Unser erster Tag in Bangalore begann ganz entspannt mit einem gemütlichen Frühstück. Frisch gestärkt machten wir uns anschließend mit einer Autorikscha auf den Weg in den Stadtteil Kempegowda. Unser Ziel war der Sri Pralaya Kalada Virabadhra Swami Temple, von dem wir gehört hatten, dass er etwas erhöht liegt und einen schönen Blick auf die Umgebung bietet.
Schon auf dem Weg dorthin wurden wir von einer der vielen kleinen Überraschungen des Alltags in Indien überrascht. Zufällig entdeckten wir eine traditionelle Wäscherei. Dort wurde die Kleidung noch auf ganz ursprüngliche Weise gewaschen: in großen Waschtrögen, mit kräftigen Schlägen auf glatten Steinen, so wie es hier schon seit Generationen gemacht wird. Überall entlang der Straßen spannten sich lange Leinen, auf denen bunte Hemden, Arbeitskleidung, Uniformen und Tücher in der warmen Sonne trockneten – ein lebendiges Bild, das fast wie eine kleine Freiluftgalerie wirkte.
Wenig später erreichten wir schließlich den Sri Pralaya Kalada Virabadhra Swami Temple, der auf einer kleinen Anhöhe liegt. Von dort oben hatte man eine schöne Aussicht auf die umliegenden Häuser und das geschäftige Leben der Stadt. Der Tempel selbst strahlte eine ruhige, fast zeitlose Atmosphäre aus – ein Ort, an dem man für einen Moment dem Trubel entkommen kann.
Auf dem Rückweg in die Stadt begegneten wir drei Jungs, etwa siebzehn Jahre alt. Einer von ihnen war sofort neugierig und wollte uns unbedingt die Farm seiner Eltern zeigen. Also folgten wir ihm ein Stück aus dem Viertel hinaus. Dort erwarteten uns Kühe, ein stattlicher Bulle, ein paar Schafe und eine Schar Hühner – ein kleiner landwirtschaftlicher Mikrokosmos mitten in der Nähe der Großstadt. Zum Abschluss wurden wir sogar noch auf eine Cola eingeladen, bevor wir uns verabschiedeten und unseren Spaziergang fortsetzten.
Keine halbe Stunde später gerieten wir mitten in eine fröhliche Horde Schulkinder, die gerade auf dem Heimweg war. Einige der Jungs, vielleicht zehn bis zwölf Jahre alt, beschlossen kurzerhand, uns ihr Viertel zu zeigen. Mit großer Begeisterung führten sie uns durch die kleinen Straßen und Gassen. Natürlich durfte auch eine Erfrischung nicht fehlen – am Ende landeten wir gemeinsam bei einem Lassi.
So verlief unser erster Tag in Bangalore: voller spontaner Begegnungen, neugieriger Gespräche und kleiner Einladungen. Am Ende des Tages hatten wir fast neun Kilometer zu Fuß zurückgelegt – und dabei weit mehr entdeckt als nur Straßen und Gebäude. Es waren vor allem die Menschen und ihre Offenheit, die diesen Tag so besonders gemacht haben.