Unser Abenteuer in Erode lässt sich eigentlich ganz gut so zusammenfassen: nette Menschen, viel Hitze. Ohne Online-Fahrdienste fühlten wir uns ein bisschen verlassen. Also beschlossen wir: Rückzug! Zwei Tage früher als geplant treten wir morgen die Flucht nach Salem an.
Aber bevor wir Erode endgültig den Rücken kehren, haben wir den heutigen Tag noch einmal genutzt – und zwar in zwei Akten: „Spaziergang bei angenehmen Temperaturen“ (früh morgens) und „Spaziergang, weil wir offenbar nichts dazugelernt haben“ (am Nachmittag). Dazwischen erreichte das Thermometer entspannte 40–41 Grad, also ungefähr die Temperatur, bei der man ernsthaft darüber nachdenkt, einfach in einen Kühlschrank einzuziehen. Die Mittagspause war dementsprechend weniger eine Option als vielmehr eine Überlebensstrategie.
Die Menschen hier waren wirklich unglaublich freundlich – wahrscheinlich auch, weil sie genau wussten, dass wir kurz davor waren, uns freiwillig in den nächsten Ventilator zu setzen. Sehenswürdigkeiten hingegen… sagen wir mal so: Wir haben sie gesucht. Wirklich. Mit Engagement.
Wir streiften durch Periyar Nagar, erkundeten die Gegend rund um Erode Fort (mehr „Gegend“ als „Fort“, aber wir waren optimistisch) und besuchten die CSI Brough Memorial Church – eine hübsche Kirche aus dem 19. Jahrhundert, perfekt geeignet, um kurz so zu tun, als wäre man nicht komplett durchgeschwitzt. Natürlich erwischten wir auch gerade den Anfang des Ostersonntagsgottesdienstes und der Pfarrer steuerte – als er uns erblickte – zielsicher auf uns zu. Natürlich die obligatorischen Fragen, woher, weshalb warum… Dann rief seine Arbeit und wir machten uns aus dem Staub.
In der Thirunagar Colony fanden wir dann endlich etwas wirklich Sehenswürdiges: Kuchen. Ein wahrer kultureller Höhepunkt. Danach spazierten wir noch durch die Jaganathapuram Colony, bevor wir den Tag stilecht in einem Gefängnis-Restaurant beendeten. Ironischerweise fühlte sich das bei der Hitze fast passend an – freiwillige Haft im klimatisierten Innenraum.
Zum Abschluss standen noch die glamourösen Aufgaben des Reisens an: Wäsche waschen und Rucksäcke packen für die morgige Zugfahrt.
Erode, du warst heiß, freundlich und… nun ja. Wir ziehen weiter – bevor wir anfangen, uns dauerhaft an 41 Grad zu gewöhnen.