Indien 2026 - Tag 22:
Letzter Tag in Tiruchirappalli

Früh am Morgen, als Tiruchirapalli langsam erwachte, machten wir uns auf den Weg zur St. Lourdes Church. Die imposante Kirche, deren Bau im Jahr 1895 begann und die stark von der neugotischen Architektur Europas inspiriert ist, wurde von französischen Missionaren errichtet. Besonders beeindruckend ist ihre Gestaltung, die an die berühmte Basilika von Lourdes in Frankreich erinnert.

Von dort aus ließen wir uns einfach treiben und tauchten ein in die engen, verwinkelten Gassen südlich der Stadt – durch die Viertel Tharanallur und Sangaliandalpuram. Die Straßen waren noch still, viele der kleinen Läden hatten ihre Türen noch geschlossen, und doch lag Leben in der Luft. Zwischen bunten Häuserfassaden, einfachen Werkstätten und den ersten Menschen des Tages entfaltete sich eine ganz eigene Atmosphäre – ruhig, ehrlich und unverstellt.

Wir legten eine kleine Pause ein: ein heißer Chai, ein starker Kaffee und ein paar einfache Kekse – mehr brauchte es nicht in diesem Moment. Gestärkt gingen wir weiter Richtung Osten, Schritt für Schritt tiefer hinein in das morgendliche Leben der Stadt.

Unser Ziel war die Holy Redeemer’s Church, eine weitere bedeutende Kirche der Region. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und ist ein wichtiges Zentrum der katholischen Gemeinde in Tiruchirapalli.

Danach mussten wir pünktlich im Hotel zurück sein, denn wir hatten am letzten Tag in Tiruchirapalli noch etwas Besonderes vor. Mehr dazu nach den ersten Fotos…

An unserem zweiten Abend in Tiruchirappalli waren wir bei unserem abendlichen Spaziergang einer jungen Familie begegnet. Es war nur ein kurzer, herzlicher Austausch gewesen – ein paar Worte, ein paar Fotos und schließlich der Tausch von Telefonnummern, um diese später zu verschicken. Eine dieser flüchtigen Begegnungen, von denen man denkt, dass sie genau das bleiben. Doch heute wurden wir eines Besseren belehrt.

Wir erhielten eine Einladung für heute Nachmittag: Die Familie wollte uns bei sich zu Hause zum Essen empfangen. Und nicht nur das – sie bestanden darauf, uns persönlich abzuholen. Pünktlich um 13 Uhr fuhr Balaji gemeinsam mit seiner Frau Rajeshwari und ihrer eineinhalbjährigen Tochter Pearly vor unserem Hotel vor. Mit großer Selbstverständlichkeit und Herzlichkeit nahmen sie uns mit zu ihrem Haus am Stadtrand.

Dort wurden wir bereits erwartet: Auch die Schwiegermutter war extra angereist, um uns kennenzulernen – ein Zeichen der Wertschätzung, das uns tief berührte. Zunächst führten sie uns stolz durch ihr Zuhause, bevor wir gebeten wurden, auf dem Boden Platz zu nehmen – ganz traditionell. Wenig später wurde vor uns ein Festmahl angerichtet: eine Vielzahl an südindischen Spezialitäten, liebevoll serviert auf einem frischen Bananenblatt. Die Farben, die Düfte, die Aromen – alles war intensiv, authentisch und voller Hingabe zubereitet.

Nach angeregten Gesprächen und einer Tasse Kaffee brachen wir gemeinsam noch einmal auf. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir zum Grand Anaicut, auch bekannt als Kallanai-Staudamm. Dieses beeindruckende Bauwerk gilt als einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Dämme der Welt. Er wurde bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. vom Chola-König Karikala erbaut und dient bis heute der Bewässerung der fruchtbaren Felder im Kaveri-Delta – ein faszinierendes Zeugnis antiker Ingenieurskunst.

Während wir den Blick über das Wasser und die umliegende Landschaft schweifen ließen, wurde uns sogar noch ein Eis spendiert – eine kleine, aber liebevolle Geste.

Doch der Tag war noch nicht zu Ende: Unsere Gastgeber wollten uns unbedingt noch den Akkarapatti Sai Baba Temple zeigen. Dieser Tempel ist dem spirituellen Lehrer Sai Baba von Shirdi gewidmet und ein Ort der Ruhe und Andacht, der von vielen Gläubigen Hindus für seine friedvolle Atmosphäre geschätzt wird.

Auf dem Rückweg hielten wir noch kurz an einem kleinen Straßenstand in der Stadt und tranken gemeinsam einen schnellen Kaffee, bevor sie uns schließlich zurück zu unserem Hotel brachten.

Dort hieß es Abschied nehmen.

Was als zufällige Begegnung begonnen hatte, war zu einem der herzlichsten und eindrucksvollsten Erlebnisse unserer Reise geworden. In Tiruchirappalli haben wir nicht nur eine Stadt kennengelernt, sondern vor allem Menschen, deren Gastfreundschaft und Offenheit uns noch lange begleiten werden.

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