Heute hieß es Abschied nehmen von Tiruchirappalli – einer Stadt voller Tempel, Geschichte und lebendiger Straßen. Pünktlich um 8 Uhr wurden wir von unserem Fahrer Hariram am Hotel abgeholt, und unsere Reise führte uns weiter Richtung Erode.
Unser erster kurzer Stopp lag noch im Stadtgebiet: der beeindruckende Shree Karumbu Anjenayar Thirukovil, wo eine riesige Hanuman-Statue über das Gelände wacht. Die Figur des Affengottes, der für Stärke und Hingabe steht, war schon von Weitem sichtbar und ein würdiger letzter Gruß aus Tiruchirappalli.
Von dort aus ging es weiter in die Berge – zu den Kolli Hills. Dieses abgelegene Gebirge gehört zu den östlichen Ghats und erhebt sich auf etwa 1000 bis 1300 Meter Höhe. Berühmt sind die Kolli Hills vor allem für ihre spektakuläre Zufahrtsstraße mit rund 70 engen Serpentinen, die sich in unzähligen Kurven den Berg hinaufschlängeln. Immer wieder hielten wir an Aussichtspunkten an, von denen aus sich ein weiter Blick ins Tal eröffnete – grüne Weite, kleine Dörfer und ein Gefühl von Ruhe fernab der Städte. Oben angekommen, erwartete uns eine ganz andere Welt: Reisplantagen, verstreut liegende Häuser und ein angenehm kühleres Klima. An einem Wasserfall sahen wir viele Menschen, die das kühle Wasser genossen.
Nach diesem Abstecher in die Berge ging es wieder hinab ins Tal und weiter nach Namakkal. Die Stadt ist bekannt für ihre Geflügelindustrie und wird oft als „Egg City“ bezeichnet, da hier ein großer Teil der indischen Eierproduktion stattfindet. Wahrzeichen der Stadt ist das imposante Namakkal Fort, das wir natürlich besuchten. Das Fort stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von den Nayak-Herrschern erbaut. Es thront auf einem etwa 65 Meter hohen Felsen und ist über eine steile Treppe mit mehreren hundert Stufen erreichbar. Von oben bot sich uns erneut ein beeindruckender Blick über die Stadt und die umliegende Landschaft – ein perfekter Ort, um kurz innezuhalten.
Nach einer wohlverdienten Mittagspause setzten wir unsere Reise fort und erreichten schließlich Erode. Die Stadt liegt am Fluss Kaveri und ist ein wichtiges Handelszentrum, vor allem für Textilien und Kurkuma – letzteres brachte ihr sogar den Beinamen „Turmeric City“ ein. Hier bezogen wir unser Hotel und gönnten uns erst einmal eine kleine Pause.
Am Abend wollten wir noch unser Viertel erkunden – doch wir kamen nicht weit. Zufällig gerieten wir in eine festlich geschmückte Straße, in deren Zentrum ein Tempel stand, umgeben von Musik, Lichtern und feiernden Menschen. Gerade als wir umdrehen wollten, weil wir nicht weiterkamen, wurden wir von einigen Männern freundlich herangewunken und gebeten, auf zwei Plastikstühlen Platz zu nehmen. Über Mikrofon und Lautsprecher wurden wir plötzlich angekündigt – Gäste aus Deutschland!
Lange blieb es nicht bei dieser ruhigen Rolle: Innerhalb kürzester Zeit waren wir von einer Horde neugieriger Kinder umringt. Sie wollten unsere Namen wissen, Fotos machen, uns die Hand schütteln – ein fröhliches, leicht chaotisches Durcheinander. Doch damit nicht genug: Plötzlich wurden wir in Teams eingeteilt und fanden uns mitten in einem Seilzieh-Wettbewerb wieder, gegenüber einer anderen Mannschaft. Sogar ein paar Grußworte durften wir sprechen.
Am Ende verabschiedeten wir uns – herzlich, lachend und nicht ohne das Versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen. Ein unerwarteter, wunderbarer Abschluss eines Tages voller Eindrücke, Begegnungen und kleiner Abenteuer.