Indien 2026 - Tag 18:
Von Pondicherry über Thanjavur nach Tiruchirappalli

Heute ist bereits die Hälfte unserer Indienreise geschafft. Trotzdem führte uns unsere Fahrt noch weiter Richtung Süden, bis nach Tiruchirappalli – dem südlichsten Punkt unserer diesjährigen Route. Unser Fahrer holte uns früh um 7 Uhr in unserem Hotel in White Town und Pondicherry ab, und schon kurz darauf ließen wir die Stadt hinter uns.

Zum Frühstück hielten wir außerhalb an einem kleinen Restaurant und stärkten uns klassisch südindisch mit Idli, Vada und Pongal, dazu ein starker Kaffee – einfach, aber richtig gut.

Auch unterwegs legten wir heute wieder einige Stopps ein. Unser erster Halt war das Fort St. David. Die Ruinen der ehemaligen Festung aus dem 17. Jahrhundert liegen ruhig in der Landschaft, direkt am Fluß. Leider ist die Anlage arg verwahrlost und baufällig, weshalb ein Besuch nur bedingt möglich ist. Schade um dieses historische Gebäude.

Der Nataraja Temple war der zweite Halt auf unserer Fahrt. Er befindet sich in Chidambaram und gehört zu den bedeutendsten Hindu-Tempeln Südindiens. Die Anlage ist dem Gott Shiva in seiner Form als Nataraja, dem kosmischen Tänzer, gewidmet.

Der Tempel ist Teil der sogenannten Pancha-Bhoota-Tempel und repräsentiert das Element „Raum“ (Akasha). Eine Besonderheit ist daher, dass hier neben der Darstellung Shivas auch das Unsichtbare bzw. der leere Raum als göttliches Prinzip verehrt wird, bekannt als das „Chidambaram Rahasya“.

Die Tempelanlage ist weitläufig und geprägt von mehreren hohen, reich verzierten Gopurams (Eingangstürmen), die mit zahlreichen Skulpturen versehen sind. Der Tempel wird bis heute aktiv für religiöse Rituale genutzt und ist zudem ein wichtiges Zentrum für die klassische südindische Tanzform Bharatanatyam.

Dritter Stopp: Der Vaitheeswaran Koil Temple in Tamil Nadu gehört zu den faszinierendsten spirituellen Orten Südindiens. Er ist dem Gott Shiva in seiner heilenden Form „Vaitheeswaran“ gewidmet – was so viel bedeutet wie „der göttliche Arzt“. Viele Gläubige besuchen den Tempel in der Hoffnung auf körperliche oder seelische Heilung.

Besonders bekannt ist der Ort jedoch für die sogenannte Nadi Astrology. Dabei handelt es sich um ein jahrtausendealtes astrologisches System, das auf Palmblatt-Manuskripten basiert. Der Legende nach sollen Weise wie Agastya das Schicksal bestimmter Menschen bereits vor Jahrhunderten niedergeschrieben haben. Erstaunlich ist, dass diese Texte angeblich nur für diejenigen bestimmt sind, die tatsächlich dazu bestimmt sind, sie zu finden.

Die Suche nach dem eigenen Palmblatt beginnt meist mit dem Abdruck des Daumens. Anhand dieses Abdrucks wird in Archiven nach einem passenden Bündel gesucht – ein Prozess, der Stunden oder sogar Tage dauern kann. Wird das richtige Blatt gefunden, enthält es oft überraschend genaue Angaben über Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft. Wir haben uns das Prozedere gespart und haben uns einfach wieder der Architektur gewidmet. Der Tempel selbst ist nämlich auch unter diesem Aspekt beeindruckend: typisch für die Region sind die farbenfrohen Gopurams (Tortürme), reich verziert mit Figuren aus der hinduistischen Mythologie. Die Atmosphäre rund um den Tempel ist lebendig – mit Pilgern, Astrologen, kleinen Läden und Räucherduft in der Luft.

Der Airavatesvara Temple war der vierte Halt und ist ein weiteres beeindruckendes Beispiel der südindischen Tempelarchitektur aus dem 12. Jahrhundert und gehört zu den von der UNESCO geschützten „Great Living Chola Temples“. Er wurde unter König Rajaraja Chola II erbaut und ist dem Gott Shiva  gewidmet. Besonders faszinierend ist die Legende, nach der Airavata, der weiße Elefant des Gottes Indra, hier gebetet haben soll, was dem Tempel seinen Namen gab. Die Architektur erinnert an einen steinernen Streitwagen mit kunstvoll gearbeiteten Rädern und Pferden, während die detailreichen Schnitzereien an Wänden und Säulen Szenen aus Mythologie, Tanz und dem täglichen Leben zeigen.

Als letztes haben wir den beeindruckenden Brihadishvara-Tempel besucht – eines der großartigsten Bauwerke Südindiens und ein echtes Meisterwerk der Chola-Architektur. Der Tempel wurde im Jahr 1010 n. Chr. unter der Herrschaft von Rajaraja Chola I erbaut und ist dem Gott Shiva gewidmet.

Besonders beeindruckend ist der über 60 Meter hohe Vimana (Tempelturm), der vollständig aus Granit besteht – ein Material, das in der Umgebung gar nicht vorkommt. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie die riesigen Steinblöcke damals transportiert und in dieser Höhe verbaut wurden. Die Kuppel an der Spitze, ein massiver Monolith, soll über 80 Tonnen wiegen.

Auch im Inneren setzt sich die Monumentalität fort: Die riesige Statue des Nandi (heiliger Stier und Reittier Shivas) zählt zu den größten ihrer Art in Indien. Die Wände des Tempels sind mit fein gearbeiteten Reliefs, Inschriften und Malereien verziert, die Einblicke in die Geschichte und Kultur der Chola-Dynastie geben.

Seit 1987 gehört der Tempel zum UNESCO-Weltkulturerbeund ist Teil der „Great Living Chola Temples“. Trotz seines Alters wird der Tempel bis heute aktiv genutzt, was ihm eine besondere, lebendige Atmosphäre verleiht.

Nach elfeinhalb Stunden Fahrt sind wir dann endlich in Tiruchirappalli angekommen. Die Stadt befindet sich am Ufer des Kaveri River, einem der wichtigsten Flüsse Südindiens, der die Umgebung fruchtbar macht. Die kommenden 4 tage werden wir nun diese Stadt erkunden…

Indien 2026 - Tag 18:
Von Pondicherry über Thanjavur nach Tiruchirappalli