Am zwanzigsten Tag unserer Reise sind wir am frühen Morgen – noch bevor die regulären Geschäfte geöffnet hatten – zum Gandhi Market gefahren. Der Markt gehört zu den größten Großhandelsmärkten der Region und wurde unter dem Namen „Fort Market“ in den 1860er-Jahren angelegt, um den Handel mit Obst, Gemüse und Gewürzen in der schnell wachsenden Stadt zu bündeln. 1927 wurde der Markt erweitert und in Mahatma Ghandi Market oder kurz Ghandi Market umbenannt. Heute versorgen hier täglich mehrere tausend Händler und Arbeiter große Teile der Umgebung mit frischen Waren; insbesondere für Bananen, Zwiebeln und Chili ist der Markt bekannt.
Schon zu dieser frühen Stunde herrschte ein reges Treiben: Lastwagen wurden entladen, Säcke und Karren durch die engen Gassen getragen und geschoben, und um jede Rupie wurde gefeilscht. Dennoch begegnete uns eine bemerkenswerte Freundlichkeit – jeder Händler grüßte, nickte oder winkte uns zu. Viele nahmen sich sogar Zeit, sich fotografieren zu lassen, und nicht selten wurden wir aktiv dazu aufgefordert. Uns wurde schnell klar, dass wir in den kommenden Tagen wohl noch einmal wiederkommen müssen – die Vielzahl an Eindrücken lässt sich an einem einzigen Vormittag kaum erfassen, und ebenso wenig alle Menschen, die diesen Ort prägen.
Nach einem Chai und einem Stück Kuchen machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum südlich gelegenen Railway Museum Tiruchirappalli. Das kleine Museum wird von den Indian Railways betrieben, einem der größten Eisenbahnnetze der Welt mit über 68.000 Streckenkilometern und täglich mehr als 20 Millionen Fahrgästen. Tiruchirappalli selbst ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt in Südindien, was die Existenz des Museums erklärt.
Wir waren etwas zu früh vor Ort und mussten warten, bis sich die Tore öffneten. Die Ausstellung erwies sich allerdings als überschaubar: Im Außenbereich standen lediglich zwei Lokomotiven, einige Radsätze und vereinzelte Signallampen. Im Inneren dominierten Vitrinen mit kleineren Exponaten rund um die Geschichte der indischen Eisenbahn sowie zahlreiche Fotografien und historische Abbildungen. Das Museum wirkte weniger durch die Vielfalt seiner Sammlung als vielmehr durch seinen leicht kuriosen, fast improvisierten Charakter.
Unser nächstes Ziel war die Zigarren-Manufaktur Fenn Thompson & Co.. Das traditionsreiche Unternehmen existiert seit dem 19. Jahrhundert und ist bekannt für handgerollte Zigarren aus lokal angebautem Tabak. In der Kolonialzeit exportierte die Firma ihre Produkte sogar nach Europa; es wird erzählt, dass auch Winston Churchill gelegentlich Zigarren aus Indien probiert haben soll – auch wenn solche Geschichten heute schwer zu belegen sind. Leider war bei unserem Besuch keiner der Arbeiter vor Ort, sodass wir den Herstellungsprozess nicht beobachten konnten. Der Inhaber empfing uns jedoch freundlich in seinem Büro, stellte uns seine Auswahl vor und bat seine Frau, Fotos von uns gemeinsam zu machen – eine Begegnung, die fast ebenso viel über den Ort erzählte wie die eigentliche Produktion.
Nach einem Mittagessen zog es uns schließlich zurück ins Hotel, wo wir die heiße Mittagszeit verbrachten und die Eindrücke des Tages ein wenig sacken lassen konnten.