Indien 2026 - Tag 10:
Letzter Tag in Vellore

Unser letzter Tag in Vellore begann früh – wie so oft auf dieser Reise, aber diesmal lag etwas Besonderes in der Luft. Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns direkt auf den Weg in die Altstadt, wo am Fuße des Naammam Malaider Ausgangspunkt unseres Wanderpfads lag. Noch war die Luft angenehm kühl, und die Stadt wirkte, als würde sie gerade erst langsam erwachen.

Der Aufstieg hatte es in sich: Über schmale, unbefestigte Pfade, vorbei an großen Felsbrocken und durch dichtes Dickicht arbeiteten wir uns Schritt für Schritt nach oben. Der Weg verlangte uns einiges ab, doch genau das machte ihn so besonders – roh, ursprünglich und fast ein wenig abenteuerlich. Nach gut einer Stunde erreichten wir schließlich das Gipfelplateau. Dort oben, zwischen wild wachsender Vegetation, liegen die Überreste von Gojra Fort und Sajara Fort, deren Geschichte bis ins Jahr 1678 zurückreicht.

Auch wenn von den alten Festungsanlagen nicht mehr allzu viel erhalten ist, liegt in diesen Ruinen eine ganz eigene Magie. Zwischen bröckelnden Mauern und überwucherten Steinen lässt sich erahnen, welche Bedeutung dieser Ort einst hatte. Und dann dieser Ausblick: Vellore breitete sich in alle Richtungen unter uns aus, eingerahmt von sanften Hügeln und durchzogen vom Leben der Stadt. Spätestens hier war klar – der Aufstieg hatte sich mehr als gelohnt.

Zurück unten ließen wir es ruhiger angehen. Wir schlenderten noch eine Weile durch die verwinkelten Gassen der Altstadt, beobachteten das Treiben und nahmen die vielen kleinen Eindrücke in uns auf, die man nur zu Fuß entdeckt. Danach ging es zurück ins Hotel – eine Dusche und frische Kleidung fühlten sich nach der Wanderung wie purer Luxus an. Gestärkt machten wir uns anschließend auf zum Mittagessen.

Am Nachmittag zog es uns noch einmal hinaus: Ein kleiner Ausflug führte uns ins etwa 15 Kilometer entfernte Virinchipuram. Der Ort empfing uns mit einer angenehmen Ruhe und einer Herzlichkeit, die uns sofort einnahm. Bei einem Spaziergang durch die Straßen kamen wir immer wieder mit Einheimischen ins Gespräch – kurze Begegnungen, die oft mehr erzählen als jede Sehenswürdigkeit. Und doch gibt es hier eine, die man nicht verpassen sollte: den beeindruckenden Sri Margabandeeswarar Temple. Seine farbenprächtigen, reich verzierten Gopurams ragen schon von Weitem in den Himmel und wirken fast überdimensioniert für diesen kleinen Ort. Der Tempel ist über tausend Jahre alt und dem Gott Shiva gewidmet, der hier als Margabandhu – als „Führer des Weges“ – verehrt wird, als Beschützer der Reisenden.

Ein schöner, fast symbolischer Moment. Denn morgen heißt es für uns Abschied nehmen von Vellore. Unser Freund Dilip wird zurück nach Bangalore fahren, während wir unsere Reise fortsetzen – weiter nach Chennai.

Ein letzter Tag voller Bewegung, Begegnungen und Eindrücke – und ein würdiger Abschluss unserer Zeit hier.

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