Indien 2026 - Tag 15:
Ein spannender letzter Tag in Chennai

Unser letzter Tag in Chennai begann früh – und führte uns noch einmal dorthin, wo uns die Stadt am meisten fasziniert hat: nach Georgetown. Schon bei unserem ersten Besuch hatte uns dieses Viertel in seinen Bann gezogen, und auch heute sollte sich dieses Gefühl mehr als bestätigen.

Unser Plan war einfach: die gesamte Mint Street von Süden nach Norden zu Fuß zu erkunden – knapp drei Kilometer voller Leben, Chaos und Entdeckungen. Und wie sich herausstellte, war jeder einzelne Meter davon ein Erlebnis.

Unser erster Halt war der kleine Sri Muthukumaraswamy Devasthanam Temple, den wir nur von außen bestaunten, bevor wir weiter zum größeren Arulmigu Ekambareswarar Temple gingen. Dort herrschte bereits geschäftiges Treiben: Die Vorbereitungen für eine Prozession liefen auf Hochtouren. Mehrere Götterstatuen wurden aus dem Tempel getragen, auf kunstvoll geschmückte Wagen gesetzt und für ihren Weg rund um den Tempel vorbereitet. Wir durften all das ganz nah miterleben, fotografieren und filmen. Schließlich setzte sich der Zug mit Musik und Gesang in Bewegung – und wir liefen ein Stück mit, begleitet von der unerwarteten Herzlichkeit der Menschen, die uns Kokosnüsse und Bananen schenkten.

Nur wenige hundert Meter weiter betraten wir einen Jain-Tempel. Die Jain-Religion, geprägt von Mahavira, ist eine der ältesten spirituellen Traditionen Indiens und stellt Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Askese in den Mittelpunkt. Statt Göttern verehrt man hier erleuchtete Lehrer. Nach einem kurzen Rundgang wollten wir eigentlich weiterziehen – doch dann wurden wir angesprochen.

Ein Mann in festlicher Kleidung lud uns ein, ihn in einen weiteren Tempel zu begleiten. Dort wurde gerade Paryushan gefeiert – eine Zeit der Besinnung, des Fastens und der Vergebung. Neugierig folgten wir ihm. Über eine enge Treppe gelangten wir in einen festlich geschmückten Saal im zweiten Stock: Musik erfüllte den Raum, Menschen tanzten, überall lagen Blumen, Früchte und Opfergaben. Eine kleine Bronzefigur wurde mit diesen Gaben überhäuft, bis sie fast darunter verschwand. Wir durften alles beobachten und fotografieren, wurden herzlich empfangen – und sogar über das Mikrofon als Besucher aus Deutschland erwähnt. Die Freude der Menschen war spürbar, fast greifbar. Am Ende bekamen wir Räucherstäbchen geschenkt und hinterließen ebenso viele Erinnerungen wie Fotos.

Kaum wieder auf der Straße, fanden wir uns nur Minuten später in der nächsten Feier wieder. Ehe wir es begriffen, wurden uns orangefarbene Schals umgehängt, und wir standen mitten in einer Zeremonie zu Ehren von Rama, einer der wichtigsten Gottheiten im Hinduismus und Inkarnation von Vishnu. 

In einem weiteren kleinen Tempel bekamen wir sogar eine spontane Führung – mit Erklärungen zu den verschiedenen Göttern, dazu Blumen und erneut Bananen als Geschenk.

Weiter nördlich, mitten im Trubel der Mint Street, überraschte uns ein junger Mann in einer winzigen Motorradwerkstatt. Der 22-jährige Chef lief extra in ein gegenüberliegendes Geschäft, um uns eine Flasche Mangosaft zu kaufen – eine Geste, so klein und doch so berührend.

Zum Abschluss unserer Runde durch Georgetown gönnten wir uns ein Mittagessen: vegetarisches Biryani in dem schmalsten Restaurant, das wir je betreten haben. Eingezwängt zwischen Wänden und Leben, aber voller Geschmack – wie dieser Vormittag.

Nach einer Mittagspause im Hotel zog es uns am späten Nachmittag noch einmal hinaus – unser Ziel war der etwa zehn Kilometer südlich gelegene Elliot’s Beach. Die Fahrt dorthin fühlte sich fast schon wie ein kleiner Ausflug aus dem Trubel der Stadt an. Am Strand angekommen, wurden wir positiv überrascht: Es war deutlich ruhiger als erwartet. Kein Wunder vielleicht, denn es war unter der Woche – doch mit jedem Schritt, den die Sonne tiefer Richtung Horizont sank, füllte sich die Promenade mehr und mehr.

Die warme Abendluft, das Rauschen der Wellen und das geschäftige Treiben rund um die kleinen Essensstände sorgten für eine ganz besondere Stimmung. Natürlich konnten wir nicht widerstehen: Wir gönnten uns frisch zubereitete Onion Bajji – knusprig frittierte Zwiebelringe im Teigmantel – und würziges Paneer 65, ein herrlich scharf gewürzter, frittierter Käse. Dazu gab es erfrischende Becher mit saftiger Ananas und süßer Wassermelone – genau das Richtige nach einem warmen Tag.

Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Straße parallel zum Strand entdeckten wir schließlich einen Laden, der sofort unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. In der Rückwand war eine ganze Reihe von Softeismaschinen eingelassen – sauber, modern und fast schon futuristisch wirkend. Hier gab es Softeis in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen und Kombinationen, zum selber portionieren in verschiedenen Größen.

Kaum hatten wir den Laden betreten, wurden wir herzlich von den beiden Besitzerinnen begrüßt. Schnell kamen wir ins Gespräch – und wie so oft auf Reisen sind es genau diese unerwarteten Begegnungen, die den Moment besonders machen. Eine der beiden erzählte uns, dass sie bis 2022 vier Jahre lang mit ihrem Mann in Köln gelebt hatte. Heute sind beide Ladenbesitzerinnen eigentlich Lehrerinnen und betreiben den Eisladen nebenbei am Abend. Ihre Herzlichkeit war ansteckend – und wurde am Ende sogar mit einer kleinen Überraschung gekrönt: Jeder von uns bekam noch ein Eis auf den Weg geschenkt. Und hier der Link: Madras Creamery

Zurück im Hotel hieß es dann: Rucksäcke packen. Denn schon am nächsten Morgen geht unsere Reise weiter – noch ein Stück südlicher, nach Pondicherry. Ein neuer Abschnitt wartet bereits auf uns.

Arulmigu Ekambareswarar Temple, Poonga Nagar, Chennai

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