Unser erster Tag in Tiruchirappalli. Tiruchirappalli – oft einfach „Trichy“ genannt – ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte Südindiens und blickt auf eine über 2000 Jahre alte Geschichte zurück. Die Stadt liegt am Fluss Kaveri River, einem der wichtigsten und heiligsten Flüsse der Region, der das Leben und die Landwirtschaft bis heute prägt.
Historisch war Tiruchirappalli ein bedeutendes Zentrum verschiedener südindischer Dynastien, darunter die Chola-, Pallava- und Nayak-Herrscher. Später spielte die Stadt auch während der Kolonialzeit eine wichtige Rolle, insbesondere in den Auseinandersetzungen zwischen den British East India Company und französischen Truppen im 18. Jahrhundert.
Ein markantes Wahrzeichen der Stadt ist der Rockfort Temple, ein spektakulärer Tempel- und Festungskomplex auf einem etwa 83 Meter hohen Granitfelsen.
Ganz in der Nähe, auf der Insel Srirangam, befindet sich der Ranganathaswamy Temple. Und dieser war unser erstes Ziel heute am frühen Morgen. Der Tempel ist der der Göttin Ranganayaki – einer Erscheinungsform von Lakshmi, der Gemahlin Vishnus – gewidmet ist. Der Tempel ist Teil des gewaltigen Tempelkomplexes von Ranganathaswamy Temple, einem der größten funktionierenden Tempelareale der Welt. Die Anlage ist von mehreren konzentrischen Mauerringen und imposanten Gopurams (Tortürmen) geprägt und zählt zu den wichtigsten Pilgerstätten des Vishnuismus in Südindien.
Anschließend fuhren wir zurück in die Innenstadt und liefen einfach los, durch Straßen und enge Gassen. Je nach Viertel wechselte die Stimmung zwischen morgendlich verschlafener Ruhe und bereits lebendigem Markttreiben. Händler bauten ihre Stände auf, erste Einkäufe wurden erledigt, während anderswo noch die Rollläden halb geschlossen waren.
Irgendwo auf unserem Weg trafen wir auf eine Gruppe älterer Herren, die gerade versuchten, ein gemeinsames Foto zu machen. Kurzerhand baten sie uns, uns einfach dazuzustellen – und so wurden wir für einen Moment Teil ihres Gruppenbildes.
In einem kleinen, unscheinbaren Lokal legten wir eine Frühstückspause ein: Mit Ei und Masala gefüllte Teigtaschen und Kaffee. Nur ein paar Meter weiter begegneten wir einem elfjährigen Jungen auf seinem Fahrrad. Er sprach kein Wort Englisch, nur Tamil – was wir wiederum nicht verstanden. Doch das hielt ihn nicht davon ab, uns eine ganze Weile mit seinem Fahrrad zu begleiten und uns mit großer Begeisterung Dinge zu zeigen und zu erklären.
Dank ihm entdeckten wir schließlich den Pallavar Lower Rockcut Cave Temple, einen eher ruhigen Höhlentempel am Fuß des bekannten Felsens von Tiruchirappalli. Der Tempel stammt vermutlich aus der Zeit der Pallava-Dynastie (7. Jahrhundert) und wurde direkt in den Fels gehauen – ein frühes Beispiel südindischer Felsarchitektur. Im Inneren finden sich einfache, aber eindrucksvolle Säulen und Reliefs, die einen Einblick in die religiöse Kunst dieser Epoche geben.
Als wir gegen Mittag zurück ins Hotel wollten, half uns unser junger Begleiter sogar noch dabei, ein Tuktuk zu finden. Im Hotel haben wir Pause eingelegt, um der Mittagshitze zu entkommen…