Um 8 Uhr morgens haben wir Bangalore hinter uns gelassen – noch bevor der Verkehr der Millionenstadt so richtig zum Leben erwachte. Vor uns lag eine etwa 200 Kilometer lange Strecke Richtung Vellore. Die Straßen führten uns vorbei an kleinen Dörfern, Palmenhainen und immer wieder durch geschäftige Abschnitte, in denen sich das alltägliche Leben Südindiens in all seinen Facetten zeigte.
Besonders in Erinnerung bleiben wird uns jedoch nicht nur die Landschaft, sondern vor allem unser Fahrer. Wir hatten großes Glück mit unserem Uber-Fahrer, der sich schnell als ausgesprochen freundlich und gesprächig entpuppte. Während der Fahrt erzählte er uns von seiner Heimat – Aleppey in Kerala. Ein Ort, der uns sofort vertraut vorkam, denn genau dort hatten wir im vergangenen Jahr einige unvergessliche Tage zwischen Backwaters und Hausbooten verbracht. Er hat uns eingeladen, wenn wir wieder einmal nach Kerala kommen sollten, müssen wir unbedingt anrufen, dann können wir kostenlos bei seiner Familie unterkommen.
Etwa auf halber Strecke legten wir eine kleine Pause ein. An einem unscheinbaren Straßenstand hielten wir an und luden unseren Fahrer auf einen Chai ein. Gemeinsam standen wir im Schatten, tranken den süßen, würzigen Tee und tauschten weitere Geschichten aus – einer dieser einfachen, aber besonderen Momente, die eine Reise so einzigartig machen. Wir haben auch viel Neues gelernt, so zum Beispiel, dass kommerzielle Taxis auf 80 Kilometer in der Stunde gedrosselt sind und daher auch nicht auf Schnellstraßen schneller fahren können!
Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich Vellore. Die Stadt hat rund eine halbe Million Einwohner und ist vor allem für ihre historische Bedeutung und ihre Bildungseinrichtungen bekannt. Besonders berühmt ist das beeindruckende Vellore Fort aus dem 16. Jahrhundert, das von einem Wassergraben umgeben ist und bis heute erstaunlich gut erhalten geblieben ist. Ebenso zieht das renommierte Christian Medical College Menschen aus ganz Indien an, da es zu den besten medizinischen Einrichtungen des Landes zählt.
Vellore wirkt auf den ersten Blick ruhiger und weniger hektisch als Bangalore, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Zwischen Geschichte, belebten Straßen und Märkten, und modernem Leben entsteht hier eine besondere Atmosphäre, die uns sofort neugierig gemacht hat, die Stadt gleich noch am ersten Tag weiter zu erkunden.
Unser erster Tag in Vellore begann voller Neugier und leiser Vorfreude. Kaum hatten wir im Hotel eingecheckt, zog es uns auch schon wieder hinaus – direkt hinein in das lebendige Gewirr der engen Gassen rund um unsere Unterkunft. Zwischen kleinen Läden, hupenden Mopeds und dem Duft von Gewürzen spürten wir sofort den Puls dieser Stadt.
Zur Mittagszeit kehrten wir in ein typisch südindisches Restaurant ein und gönnten uns unsere erste Dosa – frisch zubereitet, knusprig und einfach köstlich. Dazu ein Kaffee, stark und aromatisch, genau richtig, um neue Energie zu tanken.
Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Vellore Fort. Die massive Festungsmauer beeindruckte uns sofort, und wir umrundeten sie in aller Ruhe, bevor wir den gut erhaltenen Jalakandeswarar-Tempel im Inneren besichtigten. Die detailreiche Architektur und die ruhige Atmosphäre bildeten einen spannenden Kontrast zum geschäftigen Treiben draußen.
Dieses fanden wir dann umso intensiver wieder, als wir uns in das Marktgetümmel der Altstadt stürzten. Farben, Stimmen, Gerüche – alles vermischte sich zu einem lebendigen Gesamtbild, das uns völlig in seinen Bann zog.
Auf dem Rückweg ins Hotel entdeckten wir schließlich noch eine Großküche in einer kleinen Seitengasse. Über lodernden Holzfeuern standen riesige Kessel, in denen Mutton- und Chicken-Biryani gekocht wurde – jeder einzelne fasste rund 70 Kilogramm. Die Köche bemerkten unser Interesse sofort und luden uns freundlich ein, näherzukommen.
Überhaupt begegneten uns in Vellore überall Menschen mit großer Offenheit, Herzlichkeit und einem ehrlichen Interesse an uns. Ein wunderbarer erster Tag – und wir freuen uns jetzt schon auf alles, was noch vor uns liegt.