Wie die Zeit vergeht – gerade erst angekommen, schon heißt es wieder Abschied nehmen. Unser letzter Tag in Salem begann mit einer dieser spontanen Ideen, die sich im Nachhinein immer wie die besten anfühlen: „Lass uns doch noch schnell auf einen Berg fahren.“ „Schnell“ bedeutete in diesem Fall: 12 Kilometer bis zum Kumaragiri Hill, einmal quer auf die andere Seite der Stadt.
Der Kumaragiri Hill ist zwar kein Gigant, aber mit seinen rund 300 Metern Höhe bietet er einen überraschend weiten Blick über Salem und die umliegende Landschaft. Oben thront der Kumaragiri Sri Dhandayuthapani Tempel, der aktuell noch im Bau ist. Der Tempel ist dem Gott Murugan gewidmet – einer der wichtigsten Gottheiten in Tamil Nadu, oft dargestellt als jugendlicher Krieger mit Speer. Auch wenn hier noch fleißig gewerkelt wird, spürt man schon jetzt, dass dieser Ort einmal ein bedeutender Pilgerpunkt werden soll.
Hoch ging es ganz stilecht mit einer Autorikscha. Oben angekommen wurden wir dann aber sofort belohnt. Eine wunderbare Aussicht über Salem, irgendwo zwischen morgendlichem Dunst und dem Gefühl, für einen Moment über allem zu stehen.
Wieder unten angekommen, tauschten wir Panorama gegen pulsierendes Stadtleben und schlenderten durch die Viertel um Pattai Kovil und First Agraharam. Hier zeigte sich Salem von seiner ganz alltäglichen, lebendigen Seite: kleine Läden, geschäftiges Treiben, hupende Motorräder – und wir mittendrin, auf der Mission „Kaffee und Kekse“. Mission erfolgreich. Sehr erfolgreich sogar.
Irgendwann fiel uns auf: Wir hatten zwar schon Kaffee und Kekse intus, aber noch gar kein richtiges Frühstück. Also gab’s einfach noch eins hinterher – man muss ja flexibel bleiben. Und ehe wir uns versahen, war der Vormittag auch schon wieder vorbei. Zeit scheint im Urlaub ja grundsätzlich einen kleinen Sprint einzulegen.
Der Mittag verlief dann deutlich entspannter – zurück im Hotel, Füße hoch, ein bisschen Siesta. Und am Nachmittag ging es schließlich zu unserem Freund Fahith, um den letzten Tag in Salem gebührend ausklingen zu lassen.
Ein besonderer Tag ging heute zu Ende – einer, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Gemeinsam mit Fahith machten wir uns auf den Weg in den örtlichen Zoo. Die weitläufige Parkanlage lud zum Schlendern und Verweilen ein, und wir entdeckten vor allem heimische Tierarten, die sich harmonisch in die natürliche Umgebung einfügten. Hier und da begegneten uns auch einige exotische Tiere.
Zurück vom Zoo wurde es lebendig: Fahiths Freunde kamen zu Besuch, und schnell entstand eine warme, vertraute Atmosphäre. Zusammen mit seiner Mutter fuhren wir ein letztes Mal gemeinsam zum Abendessen – ein schöner Abschluss, bei dem viel gelacht und erzählt wurde. Später ließen wir den Abend ruhig im Park ausklingen, bei einer Tasse Tee unter freiem Himmel.
Doch der Tag war noch nicht ganz vorbei. Kurz vor Mitternacht kehrten wir noch einmal zu Fahith nach Hause zurück. Dort konnten wir uns auch von seinem Vater, seiner Tante und seiner Oma verabschieden. Dieser Moment war von einer spürbaren Wehmut begleitet – der Abschied fiel uns allen schwer. Dennoch blieb ein Gefühl der Verbundenheit: Wir haben versprochen, wiederzukommen und den Kontakt auf jeden Fall aufrechtzuerhalten.
Ein Tag voller Begegnungen, Herzlichkeit und leiser Abschiede.