Am dreizehnten Tag unserer Reise ließen wir den Trubel der Stadt zunächst hinter uns und machten uns am Morgen mit einer Autorikscha auf den Weg in einen der südlicheren Teil evon Chennai – nach Besant Nagar. Unser erstes Ziel war der Elliot’s Beach, der um diese frühe Stunde noch fast menschenleer war. Die kleinen Verkaufsbuden entlang der Promenade hatten ihre Läden noch geschlossen, und nur vereinzelt begegneten wir ein paar Spaziergängern. Die ruhige Stimmung, das sanfte Rauschen der Wellen und die frische Morgenluft gaben dem Ort eine fast meditative Atmosphäre.
Vom Strand aus liefen wir weiter nach Süden, immer entlang der Küste. Zwischendurch gönnten wir uns frisches Obst und einen heißen Chai. Unser Weg führte uns vorbei am Annai Velankanni Shrine, dessen weiße Fassade ruhig in der Morgensonne leuchtete, bis wir schließlich den farbenfrohen Shri Ashtalakshmi Temple erreichten.
Der Tempel gehört zu den bekanntesten Hindu-Tempeln der Stadt und liegt direkt an der Küste. Er ist der Göttin Lakshmi gewidmet, der Verkörperung von Glück, Wohlstand und spirituellem Reichtum. Besonders beeindruckend ist, dass hier acht verschiedene Erscheinungsformen der Göttin verehrt werden – die sogenannten Ashta Lakshmi. Der Tempel selbst ist ungewöhnlich aufgebaut: Mehrstöckig, fast wie ein Turm, mit verschiedenen Ebenen, auf denen sich jeweils eigene Schreine befinden.
Den benachbarten Arupadai Veedu Murugan Temple ließen wir aus und machten uns stattdessen wieder auf den Weg in die Innenstadt. Unser Ziel war der Tempelteich des Arulmigu Marundeeswarar Temple.
Auf dem Weg dorthin, haben wir in einem Vorgarten ein paar auffallende Skulpturen entdecket - eine da von entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als Denkmal an Kalpana Chawla, die erste Astronautin indischer Herkunft. Sie wurde 1962 in Karnal geboren und wanderte später in die USA aus. Dort wurde sie Ingenieurin und schließlich Astronautin bei der NASA. Sie war die erste Frau indischer Herkunft im All. Tragischerweise kam sie beim Space Shuttle Columbia Disaster ums Leben, als die Raumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbrach.
Etwas weiter Richtung Tempel, kamen zufällig an einem Stand vorbei, bei dem wir kostenlos Buttermilchprodukte verkosten durften. Die Herren, die uns das Getränk spendierten, wollten dann auch genau wissen, wie uns ihr neues Produkt schneckt. Das obligatorische Selfie durfte dann natürlich auch nicht fehlen. Gleich nebenan, war eine kleine Werkstatt, in der Bananenblätter zurechtgeschnitten werden, die dann - wie im Süden Indiens üblich - an Stelle von Tellern für das Essen verwendet wird.
Und wiederum ein paar Meter weiter, gerieten wir unvermittelt in eine hinduistische Prozession: Mehrmals täglich, über mehrere Tage hinweg, werden kunstvoll geschmückte Darstellungen von Göttern auf schweren Tragen und Wagen rund um den Tempel und den Teich getragen. Zahlreiche Männer bewegten sie im Rhythmus von Nagaswaram (dem Typischen Blasinstrument in Tamil Nadu) und Trommeln – ein eindrucksvolles, lebendiges Schauspiel voller Energie und Hingabe.
Nach diesem Erlebnis stärkten wir uns mit einem kleinen Mittagssnack, bevor wir schließlich ins Hotel zurückkehrten.
Am Nachmittag sind wir dann in die mehrspurige Anna Salai Road, in der sich zahlreiche Restaurants befinden, um dort zu Abend zu essen. Danach sind wir noch durch die benachbarten Stadtteile spaziert, bevor es dann am Abend wieder zurück ging.